Denken in Bildern: Inhalte begreifen
In der klassischen Wissensvermittlung folgt der Arbeitsprozess meist einem festen Ablauf: Wir recherchieren, machen Notizen, schreiben ein Konzept und erstellen eine Gliederung. Erst ganz am Ende denken wir darüber nach, wie sich das Ganze grafisch darstellen lässt. Doch was passiert, wenn wir diesen Prozess umdrehen?
Skizzen sind nicht die Illustrationen von Gedanken, sondern sind die Gedanken selbst.
Bei diesen Entwürfen war der Zugang zum Inhalt von Anfang an nicht textlich, sondern visuell geprägt. Es gab kein fertiges Konzept und keine ausformulierte Gliederung. Die Inhalte habe ich zwar klassisch recherchiert, aber anstatt sie zuerst in Worte zu fassen, habe ich sie direkt in Skizzen übersetzt. Während der Recherche habe ich Informationen also nicht als Sätze festgehalten, sondern unmittelbar in visuelle Formen übersetzt. Entscheidungen darüber, was wichtig ist, was weggelassen werden kann und wie Zusammenhänge sichtbar werden, entstehen erst im Prozess. Das verändert die Art und Weise, wie wir Inhalte verstehen, grundlegend.
Warum visuelles Denken die Perspektive verändert
Während Texte linear funktionieren (eins nach dem anderen), erfassen wir Bilder simultan (alles auf einmal). Diese Eigenschaft hat meinen Arbeitsprozess direkt beeinflusst:
- Räumliche Beziehungen und Zusammenhänge werden sichtbar
- Abläufe und Prozesse werden nicht beschrieben, sondern gezeigt
- Unterschiede entstehen durch direkte Gegenüberstellungen
- Gewichtungen ergeben sich aus Größe, Position und visueller Betonung
Bis auf die Überschriften kommen alle meine Skizzen ohne konkrete Texte aus. Das war eine bewusste Entscheidung von mir. Texte hätten vieles erklärt, aber eben auch vorzeitig festgelegt. Mit den rein visuellen Entwürfen war ich gezwungen, das Wesentliche direkt herauszuarbeiten. Anstatt Prozesse oder Informationen ausführlich zu beschreiben, mussten sie direkt auf den Punkt bringen, sodass sie visuell funktionieren. Das bedeutet auch, was ich nicht zeichnen kann, habe ich noch nicht richtig verstanden. Diese Reduktion ist kein Verzicht, sondern eine Verdichtung. Informationen habe ich nicht einfach nur gekürzt, sondern strukturiert und ausgeformt.
Wie viel Wissen können Illustrationen vermitteln, wenn sie von Anfang an visuell konzipiert werden?
Diese Entwürfe habe ich nie final umgesetzt. Aber sie dokumentieren meinen Arbeitsprozess und zeigen nicht nur das fertige Ergebnis. Diese Skizzen machen für mich meine visuelle Denkweise sichtbar.
Der Prozess wirkt rückblickend wie ein Perspektivwechsel. Die Frage lautete nicht: „Was will ich sagen und wie illustriere ich das?“, sondern: „Was sehe ich hier eigentlich und was bedeutet das?“ Diese Arbeitsweise verschiebt den Schwerpunkt weg vom linearen erzählen hin zur simultanen wahrnehmen. Es werden nicht nur Informationen aufgezählt, sondern es werden Strukturen und Beziehungen sichtbar.
Gleichzeitig hat diese Herangehensweise auch Grenzen. Nicht jedes Thema lässt sich rein visuell vollständig erfassen und darstellen. Abstrakte oder stark sprachlich geprägte Inhalte stoßen schnell an einen Punkt, an dem Text wieder notwendig wird, um Eindeutigkeit herzustellen.
„Infografiken sind nicht nur ein Werkzeug der Vermittlung, sondern auch ein Werkzeug der Erkenntnis.“
Visuelles Denken ist keine reine Darstellungsform, sondern eine eigenständige Art, Inhalte zu verstehen. Die Skizzen aus diesem Projekt sind deshalb keine fertigen Infografiken, sondern zeigen meinen Denkprozess in Bildern. Sie entstanden nicht vor dem Denken, sondern waren das Denken selbst.










